Die Rentner müssen weg

Kennen Sie die Patisserie Jean im schönen Metz?
Nein?
Dann will ich sie einmal beschreiben. Es ist eine sehr kleine und sehr feine Patisserie und Boulangerie am Rande des Exerzierplatzes von Metz. Ein kleines Café mit einigen Zweiertischchen befindet sich im Nebenraum. Sinnigerweise befindet sich am Rande dieses ehemaligen Exerzierplatzes auch noch die Kathedrale der Stadt. Das erweist sich mittlerweile als Fluch.
Der Fluch des Tourismus und jetzt auch noch des Weltkriegstourismus. Busseweise werden 14/18 Begutachter, alle mit der Gnade der späten Geburt stigmatisiert, ausgeworfen. Kurzes Blabla durch den Fremdenführer, dann zwei Stunden Freigang Invasion. Die Testosteron bedingte Aggression ist einem Prostata gesteuerten Harndrang und bei den weiblichen Truppen einer gewissen Inkontinenz gewichen. Das Ergebnis ist das Gleiche: Die Patisserie Jean verfügt über Toiletten und ist somit zum strategischen Ziel erkoren.
Die Aufklärer bereiten die Offensive vor. Ein paar Leute drängen in den Verkaufsraum, sondieren die Platzverhältnisse, das Feld. Darauf erfolgt die erste Angriffswelle. Zehn Recken in Volltouristausstattung versuchen das Café für die Hauptstreitmacht zu blockieren.
Plötzlich tritt die Verteidigung in Person von Madame Jean in Erscheinung. Dieses zierliche Persönchen schiebt löwinnengleich zwei Poller nebst Absperrband vor die erhoffte Kolonie, ruft „Bon! Bon!“ und deutet auf die Auslagen. Erst kaufen, bezahlen und dann Genießen.
Die Verteidigungslinie steht.
Die Streitmacht zieht sich vorerst zurück.
Die Demagogen treten auf den Plan.
Die Auslagen werden beschlechtachtet:
„Jedes Stückchen über drei Euro?“
„Guck mal wie klein die sind!“
„Zu teuer!“
„Da kriegt man bei Aldi eine tiefgekühlte Torte für das Geld!“
Die Demagogie lautet demzufolge: Kein echter Markt, unhöflich und außerdem.
Die Analyse lautet: Aldi hat keine Toiletten.

Es ist wie es immer ist. Während die Demagogen die Aufmerksamkeit auf sich zogen hat eine Invasorin klammheimlich eine Tasse Moyen creme erworben und einen Brückenkopf gebildet. Die zweite Angriffswelle beginnt zu laufen. „Das ist meine Frau“. „Kommt her, ich habe Platz reserviert.“ Den vermeintlichen Ehemann gelingt es durchzudringen und die wichtige Anhöhe „Monsieurs“ zu nehmen. Beim Versuch im Feldlager seiner vermeintlichen Frau zu landen wird er von den Augenlasern von Madame Jean geröstet und fällt als rauchendes Aschehäufchen zu Boden.

Madame Jean hat diese Schlacht geschlagen. Der Krieg geht weiter. Überall. Überall mit den gleichen Mitteln. Seit wach.

Ich schweife ab.

Ich kann diese Patisserie nur wärmstens empfehlen. Nur beste Qualitäten. Beste Butter. Beste Aromen.
Und nehmen Sie sich ein Pain au levain mit. Es straft alle Lügen, die sagen dass es gutes Brot nur in Deutschland zu kaufen gibt.

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