Das Stöckchen muss weg (2)

Jetzt weiß ich nicht ob mich da ein fliegendes Brett oder ein Stöckchen über Bande getroffen hat.
Jedenfalls hat ein Stöckchen von einem fliegenden Brett eine Aussage: Holzklasse!
Gedrucktes aber nicht Linkfrei.

Hier ist meine Auswahl der ständig, derweil oder in Griffweite befindlichen Bücher, die gerade in verzehrender Arbeit sind:

(Beweisfoto)

Fangen wir mal oben an: Gegen den Tag von Thomas Pynchon. Man hasst ihn oder man liebt ihn. Das wäre dann meines Erachtens schon mal beides falsch. Pynchons Bücher lösen sich halt auf. Zweiter Satz der Thermodynamik und das nicht nur bei Grafity’s Rainbow. Doppeldeutige, oder vielsinnige Literatur ohne Wikipedia nicht zu ertragen. Das war jetzt der zum Angeben. Ich würge mich da seit gefühlten 10 Jahren durch.

David Foster Wallace. Kurze Interviews mit mit fiesen Männern.
“Für immer ganz oben” dürfte wohl das Beste sein, dass ich jemals zum Thema “coming of age” gelesen habe. “Unendlicher Spaß” wurde vom Übersetzer vergurkt aber um den “Bleichen König” schleiche ich manchmal in der Buchhandlung. ” Zu David Foster Wallace kam ich weil da mal eine Kreuzfahrt abgewehrt werden musste. Das Pflichtwerk dazu: “Schrecklich amüsant – aber in Zukunft ohne mich” (Hat funktioniert)

Uwe Dick Sauwaldprosa.
Unbedingt.
Was unbedingt?
Das ist doch kein Buch!
Doch!
Aber das ist doch nie fertig.
Vom Kapital gibt es auch mindestens 5 Fassungen und das ist nur der Band 1.
Du wirst doch Dick nicht mit Marx vergleichen wollen?
Versionsmäßig schon.
(Bayerischkenntnisse wären von Vorteil)

Kurt Schwitters Anna Blume und ich

Fümms bö wö tää zää Uu,
pögiff,
kwii Ee. 1
Oooooooooooooooooooooooo,

Das war jetzt die Sonate in Urlauten. Das Vorspiel. Wir haben diese als Chor vorletztes Jahr in Reichlos vor ungefähr 20 Zuschauern und zwei Kühen vorgebracht. Möglicherweise eine Weltpremiere. Jedenfalls wird Schwitters unterschätzt. 1a Antifa. Er lunst halt so klein hinter Tucholsky und Kästner aus seinem Merzbau.

Taraaah! And the winner is:
Ich helfe dir kochen von Hedwig Maria Stuber. Ein grundsolides Grundkochbuch. Ständig im Einsatz.
Heute gab es beispielsweise Schwarzwurzel. Normalerweise eine Riesensauerei in der Küche. Selbst die renommiertesten Kochblogger nehmen zum Geschirrputzen Kaltreiniger aus der Kfz-Werkstatt wo doch etwas Mehl im Putzwasser gereicht hätte.

Ich schweife jetzt zu den Opfern

an die ich ein Stöckchen zu werfen möchte, die aber unterschiedlicher nicht sein könnten. Es sind derer zwei:
Tikersherk
und
Patty

mit der Bitte um Weiterwerfung.

Satire muss weg

Echt mal! Seit fast drei Wochen sitze ich auf diesem Beitrag und ständig kommt dann wieder so ein Pharisäer und Schriftgelehrter(Mt 5.20) daher und sieht seine religiösen Gefühle verletzt; Ein V-Mann vermutet einen Anschlag auf Braunschweig, ausgerechnet Braunschweig wo Hitler die doitsche Staatsbürgerschaft erhielt.
Dann wiederum glaubt so ein Irrer gar mit einem Blutbad Allah und seinen Propheten reinwaschen zu können.

Wahrlich ich sage Euch: Diese ganzen Karikaturen, Bildchen und der ganze Kram gehen Gott, Allah oder wie der auch immer heißt und seinen Propheten, Söhnen, Töchtern und Geistern zehntausend Meter am Arsch vorbei. Jawoll!
Oder ist da schon mal ein Blitz vom Himmel gefahren und hat so einen Pinselschwinger vom Zeichenbrett gegrillt? Nichts. Nada, Niente!
Liebe Atheisten ihr braucht jetzt nicht aus euren Löchern zu kriechen und mit eurem krankhaft missionarischen Eifer zu rufen: “Das ist der Beweis für die Nichtexistenz Gottes! Außerdem gibt es ein Kondomverbot und ein Zölibat…”. Wenn es denn einen großen Überdimensionalen gibt dann lacht er sich über soviel Einfalt krumm. Ja, wer bei diesen alten Herren in ihren Spitzendeckchen nur noch an Sex denkt braucht einen Arzt, einen guten.
Stülpt euch besser ein Nudelsieb über den Kopf und esst Pasta.

Ich schweife ein.

Pasta gibt es in der Höhle des Löwen natürlich nicht. Die Höhle des Löwen, die Hassstube der bigotten Klemmfurzer steht in Bornheim und heißt

Henscheid

versehen mit dem Hinweis “Aus dem Hause Klabunt” – so hieß der Schuppen früher und war ein Schuppen, zeitweise ein ordentlicher. Dann kommt noch der Warnhinweis: “Junge Frankfurter Küche” nebst Satire und Schnaps.
Die Satire hängt reichlich und schön gerahmt an den Wänden und kommt durch die Bank aus dem Hause Titanic und seiner geknechteter Zeichner. Der Schnaps kommt größtenteils vom Dirker und ist trinkbar – wenngleich überbewertet.
Nun kommen wir zur jungen “Jungen Frankfurter Küche”: Es gibt dort Bratswurst, Worscht, Salat, Schnitzel und Bratskartoffeln.
Nun im Einzelnen:
Die Bratswurst ist groß, fett und wie 80% aller angebotenen Bratwürste nichts wert.
Die Worscht kommt angeblich aus Michelbach und sieht wie Worscht aus. Ich habe auf den Verzehr verzichtet.
Der Salat ist schon prächtig; Ja man fragt sich wie es möglich ist einen Salatkopf so kleinzurupfen, dass die Blätter noch größer werden. Der Gesundhesser ist zum Gabelorigami genötigt. Bekannte Tatsache: Köche hassen Salatesser.
Das Schnitzel in der gerühmten Kräuterkruste. Ehemalige WG-Bewohner hier? Gibt es noch Erinnerung an Kräutersalz? Ja?
Kräutersalz hätte dieses totgebrutzelte Stück arme Sau vielleicht noch etwas geschmacklich…
..ach was!

Kommen wir nun zur Frage des Beitrags: Was darf Satire?

Wo wir bei den Bratskartoffeln wären. Wehrlose Kartoffeln werden, nicht mal ihrer Schale beraubt, mit groben Eisen in eine Steinwüste verwandelt. Die Form dieser Einzelteile wäre als zyklop zu bezeichnen. Diese werden dann langsam und trotzdem zu heiß in die deutsch-nationale Lieblingsfarbe “Schwarzbraun” transferiert. Ein schmaler schwarzer Streifen, der im früheren Leben wohl mal Zwiebel war läßt die Frage aufkommen: Ist das noch Fegefeuer oder schon die Hölle? Die Bratskartoffen schmecken nach nichts sind aber trotzdem total versalzen.
Es gibt einen gewaltigen Bierdurst aber kein Bier – jedenfalls nicht so schnell. Apfelwein sollten sie dort übrigens nicht trinken; er kommt vom Herkert und hat aktuell etwas Schauderliches.

Am Nachbartisch erbauen sich einige junge Klemmfurzer in Spe über die Qualität dieses Kartoffelmordes.
Die finden bestimmt auch die Altherrenwitzchen des Herrn Gsella Lustig.

Die Partei, DIE PARTEI hält hier immer am ersten Montag des Montags ihren Stammtisch ab.
Echt hart die Jungs und die Frauen. Wirklich.

Der U-Bahnsteher muss weg.

Zumindest im Winter.
Und schon wird es kompliziert. Sehr sogar.

Das Setting: Es ist Winter. Eine U-Bahn fährt ein. Ich möchte einen Sitzplatz.
(Extra: Der Sitzplatz sollte strategisch günstig zur hektisch schaltenden Fußgängerampel an der Aussteigehaltestelle sein. Es ist Winter.)

Durch die Fenster werden die freien und möglicherweise frei werdenden Plätze gescannt. Auch Ausweichplätze mit zumutbaren Sitznachbarn kategorisiert.
NoSeats sind Omas im Pelzmantel mit Hackenporsche, Kampfhundbetreiber, Leute – die mir ihr vorher zu sich genommenes Essen noch mal zeigen könnten und Stinker – bei dieser Klasse kann die olfaktorische Prüfung leider erst vor Ort stattfinden.
MaybeSeats sind Junkies – die schlafen eh gleich ein, Handystreichler und wichtige Menschen – deren Beinspreizwinkel mit der gefühlten Göttlichkeit korreliert.
WellSeats sind so der ganze Rest.

Action!
Die Bahn steht. Ich habe einen günstigen Einsteigeplatz – denke ich. Denn ich stehe entweder an der Seite wo sie alle aussteigen, wo die Nachzügler aussteigen oder eine Mutter mit einem sorgsam verkeilten “Ich-will-nicht-fahren-Kind” drängelt sich vor mich. Derweil werden die Plätze von anderen belegt. Ich stehe dann neben einem nassen, stinkenden Mountainbiker nebst schlammstrotzender Tretmühle; einem nicht nassen Berber mit tütenstrotzender Tretmühle oder einigen knochigen Erfolglingen, die mir ständig ihre dürren Gebeine in die Seite pieksen.
Das übliche Setting also.

Doch manchmal kommt es ganz anders. In diesem Eingstieg steht nur einer. Die Gelegenheit wäre günstig aber es der Teufel in Menschengestalt und das geborene Fegefeuer in Personalunion: Der U-Bahnsteher.
Seine Geschichte ist nicht bekannt. Seine diabolische Tätigkeit verrichtet er auf unterschiedliche Art und Weise. Nie ist die Menschheit vor ihm sicher. Auch kann er beliebig das Geschlecht wechseln.
Bei den weiblichen U-Bahnsteherinnen scheint es sich um entlaufene Klosterschwestern zu handeln, die mit dem wirklichen Leben nicht so vertraut sind. Es gibt sehr viele von ihnen und sie sind einfach zu erkennen. Wenn sie beispielsweise über die Fußgängerzone gehen und plötzlich bleibt jemand vor ihnen stehen und guckt entrückt sinnentleert oder ändert urplötzlich die Gehrichtung so dass Kollisionen unvermeidlich sind: Das ist eine U-Bahnsteherin.
Die männliche Ausprägung hat eher etwas von Cordez dem Eroberer bei dem Erstbetreten der zu zivilisierenden Wildnis. Der ganze Stolz, die ganze Erhabenbenheit eines großen Geistes wird für alle Umstehenden sichtbar wenn er aus der U-Bahn steigt und erst Mal eine Weile vor der offenen Türe stehen bleibt – bis die Plätze alle besetzt sind.

Ich bin ja noch gar nicht abgeschwiffen.

Der U-Bahnsteher ist nur im kalten Winter eine wahre Plage – im Sommer hingegen..

(Wir befinden uns in Frankfurt wo die FES voraussetzt, dass jeder Fahrgast Bankvorstand ist und nur im Dreiteiler mit Krawatte aus dem Hause schreitet werden die neuen Verkehrsmittel auf gefühlte 9° Celsius heruntergekühlt.)

…bringt er Wärme in die Welt

Gastropreise müssen weg. Bewertungsportale auch.

Asche auf mein Haupt. Ich habe geqypt und geyelpt. Letzteres aber nur um diesen “Community-Managern”, mit ihrem Bla zuvor zu kommen. Ich gestehe ja. Aber selten.
Dieser Blog hat Leser. Yelp Sternchenzähler. Das Journal Frankfurt auch. Von diesen Gastropreisen mal ganz zu schweigen. Und diese dummen Wirte hängen sie auch noch an prominenter Stelle auf. Ohne Not!

Knurrr!
Beiß!
Nix – jetzt schweife ich ab – nein. Rant!
Aber sowas von! Drecksgesindel, blödes!

Es geht darum. Nein es geht um eine Frankfurter Institution: Apfelweinwirtschaften.

Bei den Puristen geht kein Gastropreisfuzzi rein – er würde rausverarscht. Ja, verarschen ist die hohe Kunst des Apfelweinkellners. Im Prinzip geht der Gast nur in eine Apfelweinwirtschaft um sich verarschen zu lassen. Nicht monetär, nein bedientechnisch. Der ungekrönte König war übrigens der Kellner Wolfgang von der untergegangenen Eulenburg in Bornheim.
Wenn der Gast beispielsweise vor sich stehend ein leeres Apfelweinglas und einen leer gegessenen Handkäs-Teller hatte und noch einen bestellte. Bekam er noch einen Handkäs. Widerspruch war zwecklos. Charmant zwecklos.
Somit sind die Puristen vor Gesindel sicher. Die Puristen sind: die 3 Steuber in Sachsenhausen, der Momberger in Heddernheim  und die Krone in Seckbach. (Bei den Puristen gibt es keine Süßgespritzten. Nicht mal als Bausatz)
Bausatz: Die meisten Apfelweingaststätten haben eine perfide Form der Brandmarkung der Süßgespritzttrinker erfunden: Sie reichen ein kleines Fläschchen Fanta zum “Selbstspritzen”: Das steht dann wie ein Pestzeichen neben dem Gerippten.

Sehr viele Pestzeichen sah man früher im Kanonesteppel. Seit die ihre Speisekarte keine abgegriffene Dokumentenhülle nebst Inhalt, sondern so ein Büchlein und im Eingang so Deko ist werden sie begastropreist – gut waren sie schon immer. Platz war schon immer schwer zu bekommen. Außerdem dürfte es das einzige Lokal in Frankfurt sein, das ständig Rindersolber auf der Karte hat.

Ich schweife jetzt doch ab.

Mit dem Gastropreis kamen sie auch – die Salatbesteller; die Hinter-einem-Glas-Wasser-Sitzenden-und-muffelig-Guckenden; Möchtegernfrankfurter, die zu jedem Schobbedeckel einen Fragenkatalog vortragen und dieses Pack mit diesen Spießerfrisuren, karierten Hemden in Normgröße sorgfältig in die Hose gesteckt, mit ihren Hundenamen und ihrer Apfelschorle. Sie essen Salat. Gucken wichtig und gehen exakt nach 30 Minuten. Sie waren hier – die Heuschrecken.

Der Lärm muss weg

Wir Frankfurter sind ein geplagtes Volk. Jedenfalls die Hibbdebacher. Ständig müssen sie das Gemaule der lärmgeschädigten Dribbdebacher, Offenbacher, Mainzer, Flörsheimer, Hanauer etc. anhören. “Die Fliescher kann man ja fast am Bauch kraulen” mault es vom Sachsenhäuser Berg.
Aber erst seit 2011 weil Roland Bilfinger Koch, damals noch Ministerpräsident und noch nicht gefeuert meinte, dass eine Parallellandebahn En Vogue wäre. Gesagt, getan: Das Ding wurde für eine halbe Milliarde von Bilfinger-Berger hingekloppt und wird seither bestartet und belandet. Das Berger von Bilfinger-Berger wurde übrigens eingespart und das Ersparte für ein neues Logo und die Abfindung von unser Bubsche aus der Nieder Bahnbetriebswerksiedlung verbraten.

Ich schweife ab.

Den jetzt haben wir eine Schwarz-grüne Regierung in Hessen und Terek al Wazir darf die Presseerkärung der FRAport verlesen. Die wird dann auch so in der Frankfurter-Rundschau abgedruckt.
Da wurden zwei besonders laute Brummer erwähnt:
Die Antonow 124

(Revell Modellbau)
Der letzte dieser Brummer startete 2009 mit einem 190 Tonnen schweren Generator von Frankfurt nach Armenien – allerdings von Frankfurt-Hahn.
und die DC 9

Die letzten Rostlauben dieses Typs werden von Delta Airlines zwischen Atlanta und Chicago eingesetzt.

Seltsamerweise sind diese Flieger nach der Entgeldordunung achtmal so teuer beim Starten als die nur rund 1 Dezibel “leiseren” Frachtflieger, die reichlich in der Cargo-City an- und wegdonnern.

Ich muss schon sagen: So wird aus einer Karteileiche eine ganz tolle Presseerklärung – und alle jubeln.

Die Flaschen müssen weg

Immer nach den großen Feiertagen stellt sich eine Frage: Wo sollen die Beweismittel entsorgt werden? Das gesamte Nordend ist dann komplett mit Flaschen zugestellt. Vielleicht machen das die Nordendler auch mit Absicht – Schließlich soll der neidische Nachbar erfahren mit welch edlen Gesöff sich der Glasstifter die Lichter ausgeschossen hat.
Für Konsumenten der Qualitätsmarken Kellergeister, Amselfelder und Faber ist dort natürlich kein Platz deshalb stellt sich gerade zu dieser an etwas “ruhiger” Stelle platzierte Container in der Feldgerichtstraße als ideale Lösung dar.

Das formschöne Objekt in dem Corporate-Identiy-Blau der Marke Frankfurter Stadt Entsorgung gehalten verfügt über 6 praktische Input-Counter in Armhöhe. Drei auf jeder Seite. Die Glaswaren können drei verschiedenen Farbgruppen zugeordnet werden. Eine Denksportaufgabe, die von Humanioten > 2 Jahren eigentlich zu bewältigen sein sollte. Eine Manschette aus handgeschöpftem Qualitätsgummi verhindert einen Kontamination mit dem, nennen wir es so, Gut.
Er ist schallgedämmt was an diesem Standort ebenso total überflüssig ist wie der Hinweis “Kein Einwurf nach 19:00 Uhr”. Denn dieses Objekt steht genau vor dem Hockey-Feld des Sportclubs 1880. Auf Sportplätzen wird sowieso nur herumgebrüllt und das mindestens bis 22:00 Uhr. Dieser Sportclub beherbergt übrigens folgende Sportarten: Hockey, Tennis, Rugby, Lacrosse und Kricket.
Derlei Sport frönt übrigens gerne der typische Nordendler. Vorgefahren wird dann nicht mit dem Kinder-zur-Schule-bring-SUV sondern eher mit etwas Flachem in sportlicher Anmutung. Das führt wiederum des Öfteren zu freiwillig unfreiwilliger Komik wenn sich nach erfolgreichem Sporteln hormonelle Verschiebungen in einem sofortigen Vollzug zu Entladen suchen. So stehen öfters an Nothalten beschlagene PS-Flundern in denen sich Mitvierziger Dinge zutrauen an denen schon bewegliche Achtzehnjährige gescheitert wären.

Ich schweife ab.

Und habe die Kellergeister-, Amselfelder und Faberflaschen im Oeder Weg abgestellt und dafür ein paar leere Petrus, Bollinger und Yquem Flaschen getauscht. Dort hinein werden dann zum nächsten Fest die Tetrapakraritäten aus dem Polen-Netto in der Borsigallee gekippt. Die Verwandschaft wird das zu schätzen wissen.

Prösterchen.

Die Wielandstubb musste weg.

Gibt es in Frankfurt eine Handkäsinstitution? Morgen muss man sagen “Es gab”.
Dieser Käse, der gar keiner ist, bedarf einer freundlichen Hege und Pflege. Er ist nämlich sehr neugierig und möchte deshalb immer mitten im Geschehen reifen. Ja, die Reife. Unreif schmeckt er nach Fensterkitt. Reif hingegen hessisch. Überreif hat er eine vergrämende Wirkung und wird deshalb gerne zu Kochkäse vermikrowellt.
In der Wielandstubb hat er noch seinen würdigen Schrein. Wie bei vielen Thaigastätten ist ihm auch hier ein würdiger Platz geboten: An prominenter Stelle steht ein großer salzglasierter Topf aus dem Kannenbäckerland in dem sich die guten Stücke für ihr weiteres, kurzes Erdendasein einstinken dürfen. Wie bei allen echten Monstranzen ist auch diese mit einem Tuch bedeckt.
Erschallt nun der Ruf “Erst mal en Handkäs!” holt der Kellner mit geübten Händen und geschultem Blick ein gutes Stück hervor und bringt es dar.

Allerdings sind wir hier im anarchistischen Nordend wo auch gerne mal Heilige entsockelt werden. Auch der kleine Stinker. So gibt/gab es alle 14 Tage den Handkäs der Woche.
Ein besonderes Modell ist hier als Muster schlecht fotografiert.
Ein Handkäs Schwarzwälder Art. Mit Schlagsahne, getrockeneten Kirschen, Schokostreuseln. Er nahm ein Kirschwassserbad. Kam gut – wirklich.
Ein Handkäs polnischer Art mit Tomatenmark und gerösteten Knoblauchzehen war hingegen eher für abgebrühte Zeitgenossen ein Genuss.
Ein Handkäs thailändischer Art mit Lauchzwiebeln und Limetten ein Leckerli.
…..

Grundsätzlich gibt/gab es in diesem Lokal drei Hauptzutaten:
Handkäs
Kartoffeln – in allen möglichen Aggregatszuständen außer Pommes Frites, selten hausgemachte Klöße
Nackenfleisch
die stets anderweitig zusammengestellt waren und auch exotischst verarbeitet.
Genial sind/waren die Salate: Unter den hasenohrgroßen Salatblättern, zweifelsfrei ein echter Koch – die hassen grünen Salat, fanden sich feinst zubereitet aber grob geschnitzt Jahreszeitlichkeiten.
Natürlich hat es auch gedauert, so wie es überall dauert wo frisch gekocht wird.
Stammgäste gibt/gab es trotzdem genug.

Jetzt wurde der Pachtvertrag gekündigt.
Heute ist der letzte Tag.
Alles muss raus.
Gibt wahrscheinlich wieder so ein Rote-Beete-Thymian-Ziegenkäse-an-Honigschaum-Dings wo die ersten Wochen die Leute hingehen, die immer die ersten Wochen irgendwo hingehen.

Ich schweife ab.

Wer einmal den wunderbaren Geschichtsroman “Die Vollidioten” von Eckhard Henscheid gelesen hat: Die Wielandstubb war neben oder nach dem Pizza-Peter der zweite Fluchtpunkt nachdem der Mentz zugemacht hat.
Die Vollidioten hocken jetzt im Henscheid.