Die Meinungsfreiheit musste weg

Als professioneller Berufsdemonstrant muss Mann halt mal die bedeutenden Demos miterlebt haben. Freundlicherweise haben sie auch einige für etwas ältere Säcke aufgehoben. Dort kann der gekrümmte aber ungebeugte Altrevolutionär auch noch gemächlich mit dem AOK-Chopper hinterher dackeln.
So dachte ich mir mittelalt, wie ich mich fühle, den Altersschnitt der Liebknecht-Luxemburg-Demo grandios nach unten ziehen zu können habe mein Partei-Abzeichen angepinnt,

DiePARTEI ist sehr deutlich!

die Waswegmusserin eingehakt und los ging’s.
War das eine Masse Mensch. So wie am 26. Juli in Havanna – aber nur gefühlt. Es war sehr viel junges Volk dabei und alte Junge[ns]. Wir haben uns taktisch gut eingereiht. Bei Mistwetter am besten hinter einem großen, hohen Transparent. Vor uns spielte das Schalmeienorchester der Jungen Falken revolutionäre Weisen. Wenn sie nicht von einem verbiesterten Alten an der verstimmten Gitarre geknarzt werden können die richtig gut klingen. (Wer hat hier Biermann gerufen?)

Das war das Setting. Was fehlte waren die roten Nelken und erbracht wurde ein Beweis:
1. Kommunisten und Sozialisten haben immer Recht.
2. Kommunisten und Sozialisten kriegen es einfach nicht gebacken.

Während die MLDP ihre Parteispende sofort für Drucksachen, die keiner haben wollte, verpulverte machten die Vietnamesen am Straßenrand die Geschäfte und der Markt regelte sich von selbst.
Am Anfang der Strecke:

(Auf dem Täfelchen steht: Nelken für Karl und Rosa. 1 Stück -,80; 5 Stück 3,5)
Der Preis stieg dann im Laufe der Strecke auf 1,0. Auf dem Friedhof wurden sie dann verschenkt. Das nennt man Schweinezyklus.

Erstmal ein Demobild

Standplatz.

und dann wird ungeschwiffen. So!

Etwas nervt mich wenn manche jungen Schreihälse die LL-Demo zur LLL-Demo* ummünzen wollen.
Liebknecht und Luxemburg wurden ermordet weil damals Leute mit einer anderen Meinung einfach final fertiggemacht wurden. Zack, Landwehrkanal – fertig.
Heute sind die Mittel wesentlich feiner und gerade die Linke tschernobylt da gerne vor sich hin. Während die normalen(?) Parteien ihre Verteidigungslinien schon gestellt haben, die Quartalslügner die Mikros heißbabbeln wartet die gepflegte Linke auf das Wort von S.W., G.G. & Co. und diskutiert das noch aus[giebigst]. Leidet das in eine soliden Streit um und gründet sofort Organisationen, die sich gegenseitig beäugen und sich aktivst beflugblättern.

Ob das jetzt gut ist oder nicht weiß ich auch nicht.

*LLL-Demo: Liebknecht, Luxemburg, Lenin. Lenin wurde nicht ermordet sondern starb an den Folgen eines Schlaganfalls. Warum wird eigentlich Liebknecht immer zuerst genannt? Die Luxemburg hatte doch den Schirm in der Hand und verstand ihn trefflichst zur führen.

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6 Gedanken zu “Die Meinungsfreiheit musste weg

  1. Nein! Mit Parteiparteiabzeichen! Ist es die Möglichkeit? Und roten Nelken. Ich bin ja sowas von gerührt… ach…früher, als es noch Rührung statt Tränengas war. Und danach in die Stammkneipe vom Dienst, vielleicht mit einem reizenden Teil des Widerstandes auf ein Bier und danach auf Schwüre ewiger Solidarität – ach, das waren Zeiten!

    Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands! Das die noch gibt? Das ist auch rührend! Immer mit Kurbeldruckerei unterwegs, damit es gleich wie gedruckt unter die Werktätigen verteilt werden kann. Sie haben Offset, die Geknechteten Legasthenie und nicht nur darin ein Bild des Jammers. Nicht nur dialektisch hinkten die sowieso immer hinter den Libertären hinterher, wenn ich das mal sagen darf. Sie mit Lenin und Altbier, wir mit Mühsam, Landauer und den süßeren Mädelz. Aber die Genossin Rosa war schon o.k.!

    Warum Liebknecht immer zuvorderst genannt wird? Wennste mir fragst, so is das ja wejen dem alten Herrn, dem Wilhelm! Der war ja noch aus großer Zeit und dem Filius immer eine Mauer, über die der noch hüpfen mußte. Und als er dann endlich Anlauf genommen hatte und springen wollte, da schwamm er schon im Landwehrkanal. Ach nee: Er ja nicht, aber trotzdem hat er das nie so richtig überwunden.
    Mit den Mördern ham se sich dann ja auch Zeit gelassen. Das ist heute irgendwie wie damals wie heute. Wennse damals den NSU-Prozess jehabt hätten, wär ja jleich wieda Kriech jewesen…
    Das isses! Wir brauchen einfach mal wieder, aber besser nich hier. Besser bei die Neger, wobei wir schön wieder in Köln, aber das ist ein weiteres Thema und soweit wollen wir ja nicht abschweifen.

    • Was soll ich dazu nur? Ja.
      Du hättest den Kranz der MLDP am Rochlitzer Porphyr sehen sollen. Puh. Manchen Leuten soll man einfach nichts geben.
      Die nächste Demo auf der Tour ist übrigens die Fronleichnamsprozession in Mainz. Ganz großes Theater. Stay tuned!

      • Ja, den hätte ich zu gerne gesehen, weil ich ja gerade da war mit einem charmanten Teil des Widerstandes und auch noch (zärtlich) gefragt habe: »Deckelchen – was ist das da für ein denkwürdiges Mal?« Und sie hat auch brav geantwortet, daß es sich wohl um etwas mit Rosa handeln würde. Ihre Augen hättest Du sehen sollen – ihre Augen sowie die zarten Lippen, als sie mir das Denkmal der toten polnischen Soldaten als »irgend was mit rosa« verkaufte.
        Weil wir aber sowieso ins Kino wollten (Spectre…hatte ich mir ausgesucht!), mochte ich die Konversation nicht spitzfindig stören. Eine gute Entscheidung, wie ich bemerken möchte. Man kann so schön Berlin mit ihr entdecken. Ihre Qualitäten sind das vollkommene Fehlen von Orientierungssinn und daß sie genau weiß, was das gerade ist. Das gibt es auch irgendwo in Berlin, aber nie da, wo man gerade ist. Die entzückendste Stadtrundfahrt, die man sich denken kann.
        Außerdem ist sie Besitzerin von schwarzen, weichen Lederhandschuhen, mit denen sie sehr erotisch herumwedeln kann. Allein das ein Grund, sie nicht zu unterbrechen.

        Ja, dann warte ich gespannt auf den nächsten Auflauf!

  2. Siehste! Deswegen bin ich Anarchist. Da geht man nicht mit den plattfüßigen Massen, sondern alleine bei schönem Wetter an einem beliebigen Tag zur Gedenkstätte und freut sich, dass immer frische Blumen da sind. Rosa und ich in stiller Zwiesprache, keiner erfährt davon.

    Unsere Methoden mögen unterschiedlich sein, aber wir haben am Ende gleich viel erreicht: nichts. Und trotzdem war es nicht vergeblich, weil man sich gut dabei fühlt. Auf dem Rückweg sehe ich die Menschen für einige Minuten mit anderen Augen, bevor mich der Alltag wieder schluckt.

    • Kommunisten sind auch nur Anarchisten. Sie schätzen nur die Geselligkeit. Übrigens durfte Fürst Pjotr Kropotkin als Einziger dem heiligen Lenin mal so richtig gründlich den Kopf einseifen und hat es überlebt.
      War dann etwas später auch eine schöne Leich.
      Hier gibt es ein Bild davon:

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