Der Pfannkuchen musste weg.

Es ist mir ein Rätsel weshalb Leute zu so genussfeindlichen Sportveranstaltungen, wie Fußball, Auto-im-Kreis-rum-fahren oder gar Public-Viehing gehen. Na gut, Public-Viehing läuft noch unter Anbahnung. Zumindest wenn die Kollegen nicht dabei sind.
Krach, miserables Essen, kein anständiges Getränk und Bluthochdruck scheinen für einen Gutteil der Bevölkerung wichtig zu sein. Kann man ja immer einen Meinung dazu haben. Zumindest wenn man keine Ahnung hat.

Deshalb gehe ich gerne zu Pferderennen: Es gibt recht gute Speisen, anständige Getränke und keinen Bluthochdruck. Der Krach beschränkt sich auf die letzten Meter der Rennen. Schließlich ist man mit einem Euro voll ins Risiko gegangen und dafür hat diese extrem bewettete Schindmähre auch etwas zu leisten. Wie der werte Leser sicherlich festgestellt hat habe ich keine Meinung zu den einzelnen Pferden und auch keine Ahnung. Null. Grundsätzlich wird die Wettendscheidung nach der Pferdefrisur und der Bommelfarbe des Jockeyhelmes getroffen. So war ich beim Frühjahrsmeeting in Baden-Baden sehr erfolgrich und konnte mit 15 Euro Einsatz immerhin 2,30 Euro Gewinn einstreichen.

Die Pferdeduscherin wurde von Betty Barclay ausgestattet. Oder mit. Egal

Man geht da eher zum Gucken hin. Die Menschen machen sich fein. Steampunks im Sonntagsstaat. Modistenfestival. Die Dandydichte dürfte höher sein als bei den Modeschauen in Berlin oder Paris.
Wenn ich ein paar Kilos abnehme kann ich das dann auch mal anziehen. Ansporn.

Eigentlich wollte ich ja über Pfannkuchen schreiben. Immer diese Abschweifungen!

Natürlich geht man auch gut essen. Wir waren im Badener Weinkeller. Baden-Baden pur. Wir haben den Altersschnitt um gefühlte 25 Jahre nach unten gerissen. Herrn in pastellfarbenen Hosen, pastellfarbenen Obenrum und Bommelschuhen. Die 80er Jahre leben. Das Lokal selbst – Christian Rach und seine ganze Gastrovernichtungskollegschaft würde auf der Stelle tot umfallen – ist sowas von Zeitverkapselt, dass es eine wahre Freude ist. Ein wuselige Bedienung, wir haben sie Gutemine getauft wuchtet sich dauerlächelnd mit einem Tablett, das die Größe eines Doppelbettes hat, feengleich durch die optimierte Bestuhlung. Einmal hauchte sie ein ganz feines „Scheiße“ als sie die Tische verwechselt hatte. Den Empfehlungen des Patrons ist Folge zu leisten – es lohnt sich. Ab zu taucht auch die Seniorin im Dirndl auf und begrüßt die Stammgäste.
Aber der Star vom Ganzen ist der Koch. Was dieser Mann in seiner Winzküche frisch auf dem Vierplattenherd zaubert ist klassische deutsche Küche der besseren Art wo wir nun beim Pfannkuchen sind.
Bislang konnte ich mit Spargel wenig anfangen. Das war mir einfach zu nass. Spargel feucht. Hollandaise feucht. Salzkartoffeln feucht und die Beigabe auch glitsch. Es hat einfach die trockene Komponente gefehlt. Das ist im Badischen der Kratzede oder einfach der Pfankuchen. So wird das rund.

Teller leer. Essen gut. So einfach ist das.

So einfach sind einfache Geister zufrieden zu stellen. Mit Pfannkuchen.

(Wollen sie etwa ein Rezept?
Spargel, gerade mal so mit Wasser bedeckt mit Butter, Salz, Zucker und einem kleinen Schuss Wein, denn auch zum Essen trinkt, kochen bis er sich bein Anheben etwas mehr durchbiegt als im rohen Zustand.
Hollandaise. Eigelb, Spargelwasser, Wein ebender, flüssige Butter, Zitronensaft, Salz und Pfeffer über dem Wasserbad schlagen. Perfekt ist sie wenn Sie das Eigelb noch etwas schmecken.
Pfannkuchen. Muss ich wohl nicht erklären. Die einen nehmen für die Fluffizität Mineralwasser, ich mache das mit einer Prise Natron.
Jetzt aber Husch! Johanni ist Schluss mit Spargel.)

Die Rennbahn muss weg

Wir waren Sonntag erstmals beim Turf. Zuschauen.
Ja, ich muss es zugeben: Zugucktechnisch sind Galopprennen echt der Bringer. Entspannungstechnisch auch. Nervenkitzlerisch sowieso.
Jetzt mal der Reihe nach:
1. Eintritt.
Vorherhige: „Zwei Erwachsene“ „Achtzehn Euro“
Wir: „Sind zwei Erwachsene ohne Kind auch eine Familie?“ „Ja, fünfzehn Euro“
Nachkommende: „Zwei Erwachsense“ „Achzehn Euro“
2. Umgebung unterfußig:
Grünes Gras für die Pferde, Kieswege und Betonpflaster für die Zuschauer.
3. Umgebung atzungstechnisch:
Es gibt recht gute Sachen zu Preisen, die sich unterhalb des Stadtniveaus bewegen.
Alkohol in Gläsern und auch schön Gemixtes.
4. Umgebung Feeling:
Keine Hundertschaften. Keine rotköpfigen Fans. Ganz entspannt geht der werte Besucher von Station zu Station und schaut so halbe Stunde mal vorbei wie die Pferdchen so ins Ziel hoppeln.
5. Volk:
Alles da. Vom abgerissenen Zocker bis zum echten Dandy mit seiner Dandine.
Hüte auch. Auch zu kaufen. Auch in schön. Auch gut bei Sonne. Es gab Sonne.
6. Pferde:
Sehen größtenteils aus wie Konstantin Wecker vor dem Kokainentzug.
7. Wetten:
Unbedingt wetten! Geht ab 50ct und die Adern schwellen beim Zieleinlauf
wie die von Konstantin Wecker vor dem Kokainentzug.
8. Gewinn. Haben 13,5 gewonnen. Nach Abzug der Unkosten sind noch diverse Rationalisierungsmaßnahmen zu treffen.
Die Leuchtturmfunktion wird der Bereich „Besser tippen“ einnehmen. Auf Aperol Sprizz, Flammkuchen und Wein kann aus technischen Gründen nicht verzichtet werden.

9. Unser Pferd war Nummer 3. Nicht im Bild. Maresco, eine elfjährige Stute. Wir haben sie dann Erasco genannt.

10. Ich schweife ab.

Der schöne Markus, Tankwart zu Unterliederbach – ääh Markus Frank Wirtschafts- und Sportdezerent der Weltmetropole Frankfurt am Main hat im Januar beschlossen, daß die Rennbahn defizitär arbeitet und deshalb ein DFB-Bootcamp auf dieses Gelände soll. Dem grünen Baudezernenten Olaf Cunitz wurde ob solcher Zukunftsmacht glatt derart das Rückgrat gekrümmt dass die vielgeliebte Amtskette fürderhin auf dem Boden schleift.
Bei dem CDU-Dezernenten ist das noch logisch: Inklusion! Ja, sie lieben es wenn sich die Chefin ihre Spasmen auf der Tribüne abarbeitet.
Aber der Grüne? Da wird ein großer Park, der von anderen für umme gepflegt wird zugebaut. Rasen wird Kunstrasen. Öffentliche Fläche wird Abgezäunt und Hungerlöhner stellen die Security. Eingeknastet kann die Kaste dann dem „Volkssport“ frönen. Ohne Public Viehing. Mit ohne richtigem Bier, mit ohne Alles. Aber mit Flagshipfanshop. Isch schwör!

Ach ja, der Staat nimmt mit der Wett- und Totalisatorensteuer knapp 1,5 Mrd. Euronen ein. Fußball kostet.