Woscht Willi musste weg

Willkommen im angesagtesten Szenestadtteil Frankfurts. Dem Bahnhofsviertel.

Ob sie vom Hauptbahnhof oberirdisch zwischen den Taschendieben durch müssen oder durch die B-Ebene hasten in der es riecht als ob der Weltwildplasserverband seinen ständigen Sitz hier hat. Es wird chic und kreativ. Wahnsinnig global war es schon immer hier. Es ist so angesagt, dass es seit ein paar Jahren eine Bahnhofviertelnacht gibt. Dort werden hunderte Touristengruppen von erfahrenen Schleusern in die geheimsten Ecken des lustvollen Schauderns geführt und Tausende von Hipstern, Anzugsuniformierten und szenegerecht kostümierten Merkelwählern wagen sich unbewaffnet in Straßen deren rote Beleuchtung nur Warnung heißen kann, ja sie lassen – durch Massen geschützt und gestützt sogar ihre Elektroschocker zu Hause. (Die sind ja auch nur in der Ecke um die Konstablerwache so richtig stylish.)

Die verhuschte Büromaus, die sich extra einen E-Book-Reader gekauft habt, um diesen seichten Liebesroman mit den Grauschattierungen politisch korrekt lesen zu können, geht mit ihren Freundinnen zur Tabledanceführung. Dort lässt sie genussvoll mal kurz die UV-gehärteten Nagel über den Kabelbinder in ihrer Tasche rattern und hofft insgeheim auf ein Abenteuer mit Rentenbeteiligung und niedriger Steuerklasse.
Der Merkelwähler vom Riedberg oder gar vom Taunus angereist stolziert mit seiner Angetrauten durch die verruchtesten Ecken und macht was Männer immer machen – er erklärt ihr mit seinem Insiderwissen die Welt. Mann kann sich auch um Kopf und Kragen reden.
Die Hipster halten sich derweil in der Münchner Straße auf. Trinken szenegerecht Öttinger, das sie im YOK-YOK, dem einzigen Kiosk mit DJ, erworben haben. Die Mainseite der Münchner ist übrigens komplett helal und alkoholfrei. Bis auf das Mosel-Eck.(Tipp!)

Immer diese Abschweifungen. Echt mal!

Zur Bahnhofsviertelnacht holen auch diese neuen Streetfoodleute ihre Smoker aus dem Keller oder fahren mit ihren Streetfoodlastern vor um ihr total überteuertes Zeug an die herbeieilenden Herden zu verfüttern. Es klappt auch seltsamerweise. Dabei ist das Bahnhofsviertel schon immer die Adresse für Streetfood worldwide gewesen. Und dass einige von diesen Butzen regelmäßig vom Gesundheitsamt zugemacht werden. So what?

Einer wurde leider gebeutelt. Ausgerechnet Woscht-Willi!

Dessen Karre war immer pikobello. Die ordentlichen Würste vom Metzger um die Ecke (Willi hat keinen Führerschein). Sein Standort war ideal. Vor der PIK-Dame. Wenn die Besucher ihren dreistelligen Obolus für eine Flasche minderwertigen Fruchtschaumwein in deprimierender Umgebung ausgegeben hatten reichte das Geld nur noch für eine Wurst. Später stand er neben einem Tabledanceschuppen. Da lief es schon nicht mehr so gut. War auch schon alt der Willi. Die Augen, der Rücken und die Gentrifizierung.
Sein letzter Platz war da wo auf dem Bild die beiden Container/Tanks für den Putz zu sehen sind.

Hier entstehen tolle Wohnungen im Szeneviertel. Bestimmt ist auch ein Anwalt dabei. „Das Bahnhofsviertel muss weg“ wird in der Klageschrift stehen.

Advertisements

3 Gedanken zu “Woscht Willi musste weg

  1. Wenn ich früher mit meinen Kollegen in F.a.M. auf Messe-Montage war, sind wir immer mal wieder zu diesem Original Woscht-Willi ´ne Rindswoscht essen gewesen.

    Eine Lichtgestalt in diesem verkeimten Hades der moralischen Verkommenheit.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s