Rach* muss weg

Jetzt konnte ich vierzehn Tage nicht schreiben. Trauerarbeit. Heimatlos. Meine Stammkneipe hat zugemacht. Im Fenster steht: „Wir schließen. Vielen Dank für ihre jahrelange Treue. Ihre Familie Eichler“.
Als eingestädtertes Landei braucht es doch einen richtigen Anker. Eine Theke mit wechselndem Publikum um dummes Zeug zu erzählen. Dummes Zeug quer durch alle Fraktion, Wissensgebiete und das Wichtigste aus den drei Straßen außenrum. Ja, niemals hätte ich zu meinem Midlifehobby gefunden ohne den Kuckuck.

Kuckuck, umgehängt

Das war vor allem wegen dem Herrn Karl*. Ein sehr gepflegter älterer Herr, der dort jeden Abend mit seinem Rollator vorfuhr um zu speisen. Er hat mir die ganze Story erzählt: „Morgens um halb Sechs war auf einmal etwas los auf der Straße. Lauter Polizei. Und dann ging es ganz schnell.“

Berühmtes Gebäude

Das war am 1.Juni 1972 als sie Baader, Meins und Raspe dort aus der Garage zerrten. Morgens halb Sechs. Unfair. Gerade für Linke Terroristen.

Dann komm noch ein Anderer an die Theke. Macht was mit Sicherheit auf dem Flughafen. Nennen wir ihn Klaus. „Mit so einem durchsichtigen Panikbeutel voll Sprengstoff haust du mal locker ein Segment aus einem Flugzeug.“

So habe ich meine Bestimmung gefunden: Terror ist in der jetzigen Form für die Füße. Leute bringt man nicht um und tut ihnen nicht weh. Mit einem Wohnmobil durch die Gegend fahren und Kebableute abschießen und sich daran freuen, dass es kriminellen Migrationsstrukturen zugeordnet wird. Das ist ja noch nicht mal pubertärer Scheiß. Das ist erbärmlich. Von diesen Köpfeabschneidern mal ganz zu schweigen. Das ist noch nicht mal Mittelalter.

Das geht besser dachte ich. Deshalb plane ich Attentate. Wo Leuten nichts passiert aber die Empörung groß ist, das Kulturvolk keine Empörungsschnappatmung bekommt und die Restauratoren ihren Vermögensberater nicht bemühen müssen. Vielleicht würde auch jemand etwas Geld verlieren, dem es weiter nicht schadet weil noch genug übrig ist. Ich werde Sparkassenberater (Spässle gmacht)
Also Attentate allem Drum und Dran. Mit Fluchtweg und Bekennerschreiben. Das hat auch noch einen weiteren Vorteil: Wenn die mich mal loswerden wollen brauchen sie keine ekligen Kindersexbilder auf meinen Rechner zu spielen.

Mann, jetzt bin ich aber abgeschwiffen.

Ja, die gute Frau Eichler hatte das alleinige Regiment über die Küche. Die Speisekarte war seit 1979 unverändert. Die Kuchen für die vielen Trauerfeiern – Das Lokal liegt direkt gegenüber vom Hauptfriedhof hat die betagte Tante gebacken. Wenn das Fleisch für Steak oder Schnitzel nicht passend schien gab es auch mal Gulasch oder Frikadellen, nur dann. Freitag Abend waren sie meistens ziemlich leer gegessen. Dann gab es gemischte Speisekarte auf einem Teller. Aber immer frisch.
Es kam wie es kommen musste. Durch ständige einseitige Belastung gab mal das Hüftgelenk nach. Mit der OP wurde gewartet bis es wirklich nicht mehr anders ging. Selbstständige halt. Bei der OP wurden Nerven verletzt. Dann ging nichts mehr.
Der Enkel hätte es machen sollen und wollen. Doch der war Verracht*. Zu viele Änderungen in zu kurzer Zeit. Wollte aus einer Bindingkneipe eine Apfelweingaststätte machen. Das Stammpublikum hat es mitgemacht. Es wurde nicht so schnell angenommen, es kamen keine neuen Gäste. Frust.

Seit 1. Juli ist Feierabend.

*Symbolname

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5 Gedanken zu “Rach* muss weg

  1. Herzliches Beileid! So ging es mir mit der „Bierpumpe“, als im Februar der Wirt starb. Man hängt halt doch symbiotisch am Wirtstier, seitdem heißt es hier im Dorf: Parasiten suchen Anschluss. Am Samstag wollen wir zwei Dörfer weiter in eine Kneipe. Es wird sicher wieder bitter. Die Stammgäste fragen schamlos, woher man eigentlich kommen würde. Heimatlos, würdelos, trostlos werden wir das Bier hinunterwürgen. Mit dem Bus hin (Schande!), mit dem Taxi zurück (Wucher!) …

    Für deine Attentatsliste hätte ich ein paar Dutzend Namen. Bist du mobil?

  2. Meine Attentatspläne sind sehr speziell. Sie zielen darauf ab, dass so ein Wohltäter der Menschheit, wie beispielsweise Herr Icahn, vor lauter Ärger einen Granitblock durchbeißt. Etwa in der Größe der Zugspitze.

  3. Pingback: Die Grillforelle | die Schrottpresse

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