Die Brühe muss weg

Von wegen Junkfraß aus der Industriehölle, wie der KN so treffend vermülltonnt. Wir kochen Brühe. Aus Karkassen von Fisch, Viech, Strunk und Vogel. Packen das bloggergerecht in fotogene Stöpselflaschen. Literweise und stellen das in den Kühlschrank wo es ungefähr nach drei Tagen wunderbare Pilzkulturen bildet. Homegrown Penicillum oder andere Geschöpfe der Gattung  Funghi imperfecti – im besten Falle.  Die andere Alternative lautet Tiefkühler wo sie fälschlich beschriftet spätestens nach der nächsten Freezer-Inventur in der Tonne landet.
Es erschallt der Ruf: „Wir machen das alles ordentlich…“
Erzählt mir nichts vom Leben!

Wie kommt’s?
Es ist eine klammheimliche Vermarktungsstrategie dieser vermaledeiten Fernsehköche. Diesen Tomatenmarkverklumpern, Hühnerbrustsolisten und Röstaromaköhlern.
Kaum haben sie ihr Normfleischteil fertig kommen sie um die Ecke: „Und jetzt gießen wir mit Brühe auf.“
Wenn es einen gerechten Gott gäbe würde spätestens zu diesem Zeitpunkt ein Blitz aus der Mikrowelle fahren und diesen Frevler und Häretiker dahinstrecken. Denn kaum irrt der Suchende aus „Versehen“ ins Tütensuppen- und Brüheregal des Verzehrgutdealers grinsen einem diese einsternigen Hackfressen entgegen und die Botschaft lautet: „Lecker Brühe wie von der Fernsehküche“

Ich schweife ein

und wir machen unsere Tütensuppe selbst. Geht ganz einfach und dauert auch nicht viel länger als so ein Tütchen aufzureißen.

Wir benötigen:

Gewürztüte

Getrocknetes Suppengemüse. Gibt es beim Gewürzhändler.
Piment und Pfeffer
.
Das Gemüse kommt in den Mixer. (Zerkleinert gibt es schneller Geschmack an die Brühe ab)
Die Hälfte wir mit dem angeknackten Piment, ggf Pfeffer kurz in der Pfanne angeröstet. (Schmeckt dann nicht so Sellerieartig)
Das Alles kommt dann ins Schraubglas und hält 3000 Jahre. (Das ist die Basis. Ich mache diese ohne Salz – dann klumpt sie nicht)

Shitakentüte

Shiitakepilze. Unbedingt getrocknet! Gibt es beim Asiaten.

Lorbeerblatt, Pfeffer, Salz, Zwiebel und Zeug nach Wahl(Knoblauch, Chili, Vanille, Bohnenkraut, Thymian, Majoran etc.)

Machen:

Die Shiitakepilze(fünf kleine oder drei Große, die bringen Geschmacksdichte) in einem Liter Wasser aufsetzen, Derweil die Zwiebel halbieren und etwas in der Pfanne anschwitzen – die Schnittflächen keinesfalls bräunen – sonst wird es bitter. (Zwiebelschalen bringen Farbe) Ins Kochwasser werfen. Dazu noch ein paar angeknackte Pfefferkörner; Lorbeerblatt und gut fünf Esslöffel dryfreezed Suppengemüse und Zeug nach Wahl (je nach dem in welche Richtung die Brühe geschmacklich gehen soll = Probieren!) geben. Gut 20 Minuten simmern lassen.

Den ganzen Kram durch ein windelbewährtes Küchensieb schütten. (Kräutersäckchen braucht kein Mensch)

würzrest
(Das ist ganz wichtig. Ohne Einlage-die Zahnzwischenräume danken es.)

Schon haben wir eine Brühe. Wenn sie etwas seltsam süß schmeckt ist es genau richtig.
Denn erst jetzt wir gesalzen. Wir salzen uns heran bis es schmeckt. Ein echtes Wunder!
Übungssache. Funktioniert aber. (Ganz spannend ist die Tatsache, dass man erst hier merkt wie viel Salz in so einer Tüte steckt – es aber nicht braucht.)

Wenn man dann noch gerne eine Minestrone hätte. Bitte sehr:

Ein Griff in den Tiefkühler wo sich rein zufälligerweise ein Pack „Gemüse Mix italienische Küche“ befindet, Diese tiefgefrorene Zeug wird kurz in der Pfanne mit Puderzucker(gerne auch mit Vanilie) karamelisiert und kommt dann in die Brühe. Ein Sprutz fruchtiges Olivenöl, ein paar geviertelte Cocktailtomaten dazu und schon haben wir etwas Veganes.

Minestronentüte

Ganz toll schmeckt das mit einem Klacks Saurer Sahne. Schon haben wir etwas Vegetarisches.

…..

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8 Gedanken zu “Die Brühe muss weg

    • Jaja, die ganzen Sätze.
      Sag ich’s mal so: Dieses Rezeptisch ist ein Sprech gemischst aus der klassischen Oetker-Kochbuchsprache mit Waswegmussisch. ich werde zukünftig das noch etwas oetkerischer auszeichnen. Unbedingt. Weil Manko. Danke
      Ich finde diese Art Rezeptsprache übrigens sehr praktisch/küchentauglich.

  1. DrOetkerisch kann ich. Mit dem Schulkochbuch hab ich mir das Kochen beigebracht. Waswegmussisch ist mir noch etwas fremd. Aber ich kann jetzt nicht warten, bis Sie sich entmankon, ich würde gern die Abhängigkeit von der Instantbrühe aus dem Pupsimarkt beenden ohne jedesmal diesen unverhältnismäßigen Selberbrüheaufwand treiben zu müssen. Also: Wie geht das mit der Besserbrühe?

    Getrocknetes Suppengemüse. Gibt es beim Gewürzhändler.(Gewürzhändler hab ich. Der Mann ist in meiner Schuld und darum durchaus dazu zu bewegen, ungewöhnliches ranzuschaffen)

    Piment und Pfeffer. (Dito)

    Das Gemüse kommt in den Mixer. Die Hälfte (nach dem Mixer?) wir (d?) mit dem angeknackten Piment kurz in der Pfanne angeröstet. Das Alles kommt dann ins Schraubglas und hält 3000 Jahre.

    Shiitakepilze. Unbedingt getrocknet! Gibt es beim Asiaten. (Bäh! Muss das sein? Kann man die auch weglassen? Überhaupt: Ist das jetzt schon eine Anwendungsform unserer Besserbrühe oder was?)

    Lorbeerblatt, Pfeffer, Salz, Zwiebel und Zeug nach Wahl(Knoblauch, Chili, Vanille, Bohnenkraut, Thymian, Majoran etc.)

    Machen:

    Die Shiitakepilze(fünf kleine oder drei Große) in einem Liter Wasser aufsetzen, Derweil die Zwiebel halbieren und etwas in der Pfanne anschwitzen – keinesfalls bräunen – sonst wird es bitter. Ins Kochwasser werfen. Dazu noch ein paar angeknackte Pfefferkörner; Lorbeerblatt und gut fünf Esslöffel dryfreezed Suppengemüse und Zeug nach Wahl geben. Gut 20 Minuten simmern lassen.

    Den ganzen Kram durch ein windelbewährtes Küchensieb schütten. (Kräutersäckchen braucht kein Mensch)

    Schon haben wir eine Brühe. (Ah, doch erst jetzt? Also das 3000-Jahre-Zeug ist so eine Art Vorstufe und alle weiteren Schritte sind notwendigerweise direkt vor Verwendung der Besserbrühe durchzuführen?) Wenn sie etwas seltsam süß schmeckt ist es genau richtig.
    Denn erst jetzt wir gesalzen. Wir salzen uns heran bis es schmeckt. Ein echtes Wunder!
    Übungssache. Funktioniert aber.,,

    Erhabensten Dank im Voraus für die Beantwortung meiner Anmerkungen.

    • Welch edle Kritik.
      Gerne werde ich die Anmerkungen einfließen lassen. Ja, eine Basisbrühe. Warum was wann wo wird begründet.
      Wird schon ich übe noch.
      Die getrockneten Shiitake bringen die Fülle. ,
      Ich habe das auch schon Champignons probiert. Lasch.
      Mit Combu. Schmeckt nach Fisch und ist Glutamatös.

      Morgen mittag. Wort!

  2. Danke für die Erläuterungen. Zwei klitzekleine Frägelchen hab ich noch.

    „Das Gemüse kommt in den Mixer. (Zerkleinert gibt es schneller Geschmack an die Brühe ab)
    Die Hälfte wir mit dem angeknackten Piment, ggf Pfeffer kurz in der Pfanne angeröstet.“

    Angeröstet. Ohne Fett nehme ich an? Sonst wäre es ja kaum 3000 Jahre lang haltbar …

    „und gut fünf Esslöffel dryfreezed Suppengemüse und Zeug nach Wahl (je nach dem in welche Richtung die Brühe geschmacklich gehen soll = Probieren!) geben. Gut 20 Minuten simmern lassen.“

    Dryfreezed Suppengemüse. Also das 3000-Jahre-Zeug? Davon würde ich jetzt ausgehen.

    Ich werde es ausprobieren. Und wenn es funktioniert, haben Sie sich einen treuen Leser aufgehalst.

    • Danke für die Nachfrage:
      Das ganze Zeugs immer ohne Fett anrösten. Es wird sonst recht schnell ranzig.
      Richtig, das 3000-Jahre-Zeug.
      Bei der Würzerei müssen Sie sich langsam heranarbeiten.
      Bei dieser Brühe handelt es sich um eine reine Basis.

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