Der Regaltänzer muss weg

Ich war heute wieder mal im Tegut in der Friedberger Landstraße. Bekannterweise der Markt mit der größten Idiotendichte Deutschlands.
Die haben halt so Zeugs das es in konvektionierten Märkten nicht so gibt und trotzdem genießbar sind. Beispielsweise Brotaufstriche. Mit Geschmack aber ohne Verstärker und möglicherweise auch noch „Bio“. Aber das müsste ich mal nachgucken weil für mich zweitrangig. Käse, Wurst und Marmelade gehen halt morgens nicht.
Genauso wie man beim „Bio“ auch mal nachsehen sollte ob da nicht was „Biologisches“ chemisch hochgejazzt wurde. Ist ja erlaubt und steht im Kleinstgedruckten. Außer wenn es sich um technische Hilfsstoffe und Nichtinhaltsstoffe handelt. Aber das wissen Sie ja sicher. Das Kleinstgedruckte wird gerne in einer dezenten 6 Punkt Designschrift auf buntem Untergrund dargeboten. Wenn es nach mir ginge würde der ganze Inhaltskram in einer für Glasbausteinverbrillte lesbaren Schrift auf einem Beipackzettel stehen. Ein Marsriegel hätte dann Umfang der Enzyclopedia Britannica und würde in den Regalen liegen wie Blei.

Ich schweife ab.

In Supermärkten trifft man öfters eine besondere Sorte Mann an. Es sind immer Männer und eine Frauenquote ist nicht vorgesehen. Es gibt nicht viele aber alle nerven auch alle Männer, die dieser hohen Kunst nicht mächtig sind.
Jeder kennt ihn. Sicher: Es ist der Regaltänzer.
Ein Regaltanz geht so: Ein Mann(!) steht vor einem Supermarktregal und sucht vorgeblich nach einem zu erwerbenden Produkt. Er hat es schon längst ins Auge gefasst. Müsste es nur noch händisch fassen und zur Kasse bringen. Aber er ist ein Jäger. Er wartet bis jemand in die Regalreihe kommt und den er unterbewusst zielgerichtet stoppen könnte.
Ist das Opfer gefunden geht er zuerst zwei Schritte zurück um den Weg zu blockieren. Dann wieder einen halben vor. Dabei wird der Kopf gewiegt und dabei das zu erwerbende Gut fest ins Auge gefasst. Nicht dass jemand Anderes – undenkbar!
Dann beginnt der Balztanz: Ein halber Schritt zurück. Der Oberkörper gesenkt, mit dem Kopf die Regalreihe abgecheckt, noch ein- bis zweimal mit dem Bürzel gewackelt, abgewartet bis das Blockadeopfer sichtlich genervt wirkt und dann wie ein Adler(aus Sicht des Regaltänzers) oder wie ein Apoleptiker auf Valium(aus Sicht des Wartenden) zuzustoßen um genau den Artikel daneben zu fassen zu kriegen. Nach einem kurzen(aus Sicht des Regaltänzers) oder ewiglichen(aus Sicht des Wartenden) Vergleich mit geistigen Bild wird das Gut wieder zurück gestellt. Das Spiel geht in die nächste Runde. Der Wartende hat schon längst das Objekt der Begierde diagnostiziert und verfolgt amüsiert die weitere Vorstellung. Der Regaltänzer geht nochmal in die Ausgangsposition und beginnt einen neuen Anlauf. Dieser verläuft meist glücklich.
Jetzt können wir nur noch hoffen, dass er kein Smartphone besitzt.

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Ein Gedanke zu “Der Regaltänzer muss weg

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