Friendly Service muss weg

Wochenendeinkäufe beim totaltollen Großedeka Scheck-In haben was. Grauenvolles! Das Familienvolk macht seine Einkaufswagen rappelvoll. Gescheite Eltern haben ihre Kinder in diesen Formel1-Drahtkorbträgern kaserniert, weniger Gescheite haben mit Gequengel und Spontansprints zu kämpfen. Sie nennen es Erziehung, andere Fußfallen. Die Jamie Oliver Fraktion torkelt vom Iphonerezeptnavi geleitet durch die Gänge um spätestens beim Fehlen des zymbischen Rotdornpfeffers festzustellen dass sie doch ein anderes Rezept nehmen wollen. Zurück auf Start. Besonders effektvoll sind diesbezüglich die eingeschlechtlichen Familien. Sie scheinen das „Farbe-aus-dem-Gesicht-fallen“ und „Heftigst echauffieren“ vorm Spiegel zu üben. Dabei werden sie offensichtlich von einem epischen Sprachdramaturgen gecoacht.
Wer diesen Parcour für erweitert Spaßwillige erfolgreich absolviert hat darf nach dem Durchleiden der Kassenschlange zahlen. Da plötzlich ein Lichtblick: Junge, freundliche, gewaschen und gestiegelte Menschen in leuchtend gelbem Polohemdchen packen die guten Güter ein. Sie schaffen es sogar die weniger empfindlichen Waren nach unten zu packen und die Salatköpfe obenauf. Respekt. Aber nicht an meiner Kasse. Vor mir ist dieser gruselige Kleingeldrauszähler. Der mit den alten Jutebeuteln´und der zerknitterten Alditüte. Bilbo Beutlin habe ich diese Sorte Mensch getauft.
Auf das freundliche „Darf ich für Sie einpacken?“ folgt eine wagenburgartige Umklammerung des erworbenen Schatzes. Sein Blick sagt: „Maaain Schaaaatz!“. Nach dem halbstündigen Bezahlvorgang beginnt dann diese Einpackmeditation. Das Augenrollen der Umstehenden scheint er als Bestätigung zu empfinden und drosselt abermals das Tempo. Hoffentlich ist das nicht ansteckend.

Ich lasse diesen jungen Menschen meinen Kram einpacken, dachte ich. Dann sah ich die Spardose mit Namensschildchen und die Werbebeschriftung auf dem Polo. An der Nachbarkasse ertönte ein „Toll, das ist ja wie in Amerika!“

Ich schweife ab.

Als bekennender Antiamerikaner, konnte ich das schon mal gar nicht mehr gut finden.
(Also wer Antiirgendwas sein möchte fängt am Besten mit den Amerikanern an, das geht am Schnellsten und man lebt hinterher recht stressfrei.)
Nichts packt der mir ein, Nie!
Dann wurde auch noch daheim die Tante Gugel befragt und sie sagte mir etwas weiter unten „Klicke da!
Das sind also nur Studenten und Gymnasiasten. Hätte ich mir denken können. Billige Klamotten hatten die nicht an.
Vor meinem geistigen Auge taucht die Terrasse des Golfclubs auf.
„Ich habe deinen Maximilian an der Edekakasse gesehen. Er hat dort meinen Serrano-Kaviar-Barolo-Schinken in die Tüte gepackt.“
„Ja, in dem Alter sollte er langsam an das richtige Leben herangeführt werden. Er soll wissen was Arbeiten bedeutet.“
„Er sah einfach zu chic aus mit seinen Tods-Schuhen und dieser Designer Jeans. Wenn ich 30 Jahre jünger wäre….“
„Wie viel Trinkgeld hast du ihm denn gegeben?“
„Die nehmen doch keine Kreditkarten.“
„Ja, da muss er durch.“

Maximilian zwanzig Jahre später zur Belegschaft:
„Ich habe in meiner Jugend an der Kasse Waren eingepackt. Da kam es nur auf Leistung an. Nur die Freundlichsten und Besten bekamen Trinkgeld. Ich war der Beste! Ich hatte Geld und Mädels“

Mir wird schwindlig.

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