Die Wohntaschen müssen weg.

Gestern in der Sauna. War natürlich rappelvoll. Immer wenn schlechtes Wetter in Anzug ist gehen die Leute saunieren; so wie früher gegen Hagelschlag in die Kirche. Sauna ist ja logischer als Kirche: Da ist es warm, die Bekleidung nahezu paradiesisch. Es gibt Hefeweizen und man muss nicht singen.
Ich schweife ab.
Aber leider hat der Teufel auch hier schon seinen Huf hineingesetzt: Die Leute brauchen ein Outfit. Sie brauchen immer ein Outfit. Zum Laufen, zum Radeln, zum Wandern, zum Holzhacken, zum Kegeln und zum nackig rumlaufen. Das Outfit braucht natürlich Zubehör und das kommt dann zusammen in die Wohntasche. Ich habe das Wohntasche getauft weil manche Studentenwohnungen kleiner sind als diese Taschen. Diese Taschen stehen dann mitten im Weg rum. Das Statussymbol mit zwei Henkeln: Ich habe ein Qutfit und die passende Tasche von Schlagmichtod. Quasi der Sauna-SUV.
Wenn Mensch dann scheintod fröstelnd aus dem Mentholkristall-, japanische Heilpflanze-, Eisminzeaufguss torkelt, diese Wohntaschenbetreiber stehen auf diese Sadomaso-Schwitzerei, muss er durch den Sauna-SUV-Parcour um zu den Abkühlstätten zu gelangen. Alle Duschen sind besetzt, stehen auf warm und Leute darunter schmieren sich mit Zeug ein. Das Zeug schmiert natürlich auch auf dem Fußboden.
Nach der Abkühlung oder besser der Fröstelentfernung kommt die Ernüchternung: Alle Liegen sind vermalledeit: mit Handtüchern belegt. Die Stühle mit Nahrungs-, Zeitschriften- und Beautybesatz sind griffnah um die Liegen drapiert. Die einzigen Sitzgelegenheiten sind die Fußbecken in denen eine Flüssigkeit steht, die einer Hühnersuppe in Raststättenqualität gleicht.
So bleibt nur die Saunabar. Es gibt nur noch Bionade und Schöfferhofer alkoholfrei. Verminzfröstelgeschwitzt und dann noch eine Oralanästhesie – wenn das nicht abhärtet.

Hoffentlich hat es bald wieder 30° Celsius und wir haben wieder Sauna für uns alleine.

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Ein Gedanke zu “Die Wohntaschen müssen weg.

  1. Outfit hin und her, ich trag eigentlich seit der 5. Klasse eh nur Chucks und gut is. Für alles. Dazu die Armyhosen und nen Kapuzenpulli, egal ob Hochzeit oder WG-Küche.

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