Die Schinken-Fleischwurst muss weg.

Da steht man an der heißen Theke eines Metzgers des Vertrauens oder On-the-Road.
„Guten Tag, ich hätte gerne eine Semmel mit Gichtbeschleuniger und viel Glutamat.“
„?“
„Ein Konfiskatbrötchen.“
„?“
„Dann nehme ich einen Leberkäsweck.“
„Einen LKW also. Pizza, Zwiebel oder Normal?“
„Den Roten.“
„Soll ich ihn warm machen?“
Das wäre der exakte Zeitpunkt eine solch ungastliche Lokalität sofort fluchtartig zu verlassen.

Und da liegt der Hase im Pfeffer, das Pferd im Krautbeet.

Mir ist kürzlich bei einem Discounter das Produkt Schinken-Fleischwurst einer großeren hessischen Verwursterei ins Auge gerammt worden.

Wurstartiges Objekt

War auch billig. Zu billig. Somit sind wir bei dem vorwurfsvollen Fingerzeig von Politik, Funk und Fernsehen, Presse & Co:
„Der deutsche Verbraucher ist ein fürchterlicher Hungerleider. Er will richtigen Schinken in der Fleischwurst und das den Ring zu 2,99!“
Will er nicht. Liegt halt da. Hat der Einkäufer so ausgehandelt und prahlt damit auf dem Golf-/Tennisplatz herum: „Ich hab die gelinkt!“ Also geht der Verwurster zum Bauern und linkt diesen. Am Ende der Linkkette finden wir eine arme Sau in großer Gemeinschaft.
Oder andersherum: Je höherwertig das verwendete Stück Tier in einem Discounterprodukt erscheint desto elender seine Biographie. Oder das für den deutschen Hungerleider ausgedrückt: Bei höherwertigen Qualitäten aus handwerklicher Produktion kann ich auch eine Klasse niedriger kaufen. Da braucht es kein Filet. Es reicht auch Schulter. Somit haben wir beim gleichen Preis eine tatsächliche höhere Qualität im Topf. Da braucht es auch keinen „Bio-Hokuspokus“. Das schnurrt in der Pfanne nicht zusammen. Es wässert nicht wie ein Ödem. Es schmeckt!

Mal ehrlich, wer glaubt ernsthaft dass in einer Lasagne für 1,75 echtes Fleisch enthalten ist? Das dürfte die Kunden dieser Produkte auch gar nicht interessieren: Packung schön. Mikrowelle. Ding. Essen fertig. Satt. Bauchweh. Bett. Soviel zum Lebenslauf des Kundenkreises für derartige Produkte.
„Ja, aber der arme HartzIVer“ dröhnt es aus einer anderen Dumpfbackenrichtung: HartzIVer müssen selber richtig kochen. Die haben kein Geld für sowas.

Ich schweife ab.
Es Problem liegt darin, dass diese Supermarktketteneinkäufer unser Leben banalisieren. Wir kriegen nicht mehr für das Geld wir bekommen eine andere Bezeichnung für immer miesere Qualitäten.
Als Beispiel: Vor einigen Jahren gab es an Heiligabend in der Frankfurter Kleinmarkthalle wunderschöne, schmackhafte Herzkirschen zu 56,- Euro das Kilo.
Ich habe mir 100 Gramm davon geleistet. Diese Kirschen waren der Gag auf der Festtafel. Zwei Jahre später gab es Weihnachtskirschen beim Rewe, eingeblistert. Kilopreis 19,90. Sie dürften die meisten davon entsorgt haben.

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Ein Gedanke zu “Die Schinken-Fleischwurst muss weg.

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