Die Nibelungentreue muss weg

Normalerweise bin sehr politisch. Nur eher weniger beim Bloggen.
Jetzt reißt mir aber mal die Hutschnur und wer ist daran schuld: Heinz Galinisi. Ja, ich durfte mir als junger Mensch immer diese bohrenden Reden des Shoaüberlebenden anhören. Ich musste es.
Er hat es ständig wiederholt: So etwas darf nie wieder geschehen. Nirgends.
Eine Aufgabe.
Jetzt wird im Gazaer Ghetto wieder gemetzelt. Graumann und seine Zentralratkonsorten* bestätigen die unbedingte Solidarität mit Israel. Merkel auch. Israelkritik wird zum Antisemitismus umdeklariert.
Eine heilige Kuh, der man gefolgsam zu sein hat!
Nur wer regiert dieses Land? Das vorherige Kabinett Olmert: 1000 Jahre Knast. Und jetzt Netanjahu? Das sind Faschisten. Im Vergleich zu diesen Leuten dürfte Marie Le Pen und dieser fönfrisur Wilders als Linksextrem gelten.
Auch Netanjahu hat zu allem Übel noch seine “Tea-Party” im Kreuz sitzen. Er muss das machen und weiß, er ist der kleine Krüppel der gerne vorneweg geht und Ärger macht. Er hat ja seine großen Brüder, die ihn raushauen, egal was passiert.
Wir sollten ihn einmal alleine lassen. Richtig alleine. Sanktionen gegen Israel. Nicht mehr nicht weniger.

Ich schweife ab

und gehe in die Oper.
Die Simultanausstrahlung der Oper “Death of Klinghoffer” wurde abgesagt. Es könnte antisemitische Ressentiments entfachen. Gutmenschenverarsche.
Ich mag den Komponisten John Adams, einer von wenigen, die sich an heikle Themen wagen.
Hier drei Ausschnitte der Oper, die auf Youtube zu finden sind. In beliebiger Reihenfolge anzusehen.

(Chor der Nacht)

(Chor der exilierten Juden)

(Chor der exilierten Palästinenser)

Diese Bild ging letzte Woche durch die Medien: Aus der ISS geschossen. Es zeigt den umkämpften Gaza Streifen. Der Astronaut betitelte es mit “Mein schlimmster Tag auf der ISS”. Der Sudan leuchtet nicht. Die Ukraine wird verdunkelt.

Wir dürfen nicht ruhig sein. Wir müssen aufpassen.
Allein schon wegen Galinski.

(*Außerdem wollte ich einmal den Zentralrat der Juden mit dem Begriff der Nibelungentreue verknüpfen.)

Ikea muss weg

Ich finde Ikea ja eigentlich ganz toll. Mann kann bei schlechtem Wetter stundenlang anderer Leute Wohnung angucken ohne sie jemals betreten zu müssen. Ja, man kann ein lustiges Quiz veranstalten wer wohl welches Pressspanteil in der Wohnung arrangiert hat und was noch dazu soll. Die Leute sind da genauso kreativ wie diese IPhone Abhängigen. Alle das Gleiche nur etwas anders. Eine abendfüllende Unterhaltung über den Transport und die Verimbusung des Verpackungswunders ist in diesen Kreisen garantiert. Ikeaner ziehen sich ja bekanntlich gegenseitig an. Das einfachste Erkennungsmerkmal sind die gleichen Trinkgläser. Aus wissenden Kreisen habe ich allerdings erfahren, dass die Kontaktbörse Ikea-Family nicht so funktioniert. Hat vielleicht den falschen Krempel.

So ist der polarwinterblaue Würfel voller Volk. Väter tragen einen dieser Vapaino-Chips um den Hals während der Nachwuchs die Pfleger beschäftigt. Andere schieben ihre plärrenden Hortbefreiten durch die Gegend. Schwedenluft soll die Lungen stärken. So überschreit das Lärmlevel stellenweise locker das eines Toys-Russen kurz vor der Bescherung. Verantwortungsvolle Mütter – es sind immer Mütter – führen ihre angehenden Schnöseljuristensöhne auch gleich an die wichtigen Dinge des Lebens heran. Ikea sollte T-Shirts mit der Aufschrift: “Mutti kauft mir heute mein erstes Billy” vertreiben. Wäre der Renner.

Ein totaler Fremdkörper in diesen Häusern sind Männer, konkreter Baumarktmänner. Also diese Sorte Testosteron, die hinter jeder krummen Dachlatte eine Weltverschwörung vermuten. Die sind in der sogenannten Lagerhalle zu finden und packen jedes Brett aus um mit geübten Auge die Astlöcher zu enttarnen. Die enttarnten Teile werden Empörung haschend offen liegen gelassen. Sie finden immer etwas!
Einer davon in jedem Regalgang und der Umsatz sinkt um 80% garantiert.

Ich schweife ab.

Wir haben auch so ein Ikea. Es ist ein Schreibtischstuhl mit einem seltsamen Namen. Sein Vorteil ist, dass die Sitzhöhe nicht nur für den kleinsten gemeinsamen Europäer taugt, sondern auch Langhufige bequem sitzen können. Sein Nachteil ist die etwas schwächliche Verschraubung.
Es hat “zing” gemacht und Schreiber ist hinten über gekippt. Als typischer Mann habe ich mich sogleich in Internet begeben um heraus zu finden welche Scherkräfte nötig sind um eine M6-Schraube zu köpfen und kam zu dem Schluß, dass ich eine ausgeprägte Rückenmuskulatur besitzen muss. Die bessere Hälfte meinte es könnte auch noch andere Gründe haben. Frauen können manchmal so profan sein.

Leider hatte meine ausgeprägte Rückenmuskulatur nicht nur die Schraube abscheren lassen, sondern auch noch ein tragendes Rohr. Der Stuhl sah aus wie dieses Kreuzfahrtschiff “Costa Cordalis” vor der Aufrichtung. Lange rede kurzer Sinn: Dieser Stuhl war freundlicherweise noch im Sortiment. Der alte könnte als Ersatzteillager dienen.
Könnte. Sie haben jetzt M8-Schrauben eingebaut. Ich werde trainieren müssen.

Totempfähle müssen weg.

Ich oute mich jetzt mal. Wurde mal Zeit. Die Leute wollen wissen woran sie sind. Verständlich, oder?
Tja also. Mmmh. Jetzt muss es raus: Ich gehöre zur Generation Mofa!
Uff, war doch gar nicht schwer so ein Coming-out. Muss jetzt öfters.
Nun die Story: Als ich zarten Alter von 15+(16) mit meinem Solo-Mofa, natürlich ohne Licht und Helm, ja Helme waren sowas von peinlich. Wirklich. Konnte man als Mann (mit 15+ Mann) natürlich gar nicht. Was dachten da die Mädchen. Muttersöhnchen, mindestens. Also zweitaktete ich wieder mal sturzbesoffen von der Feuerwehrausflugsgastätte nach Hause und hatte eine Erscheinung. Ein Zeichen wurde gesandt: Alle Straßenposten hatten hell leuchtende Aureolen. Vollpfosten mit Heiligenschein. Ich habe am nächsten Tag Besserung gelobt und das Licht repariert. War wirklich intensiv. Seither glaube ich an die Wirkung von Straßenpfosten. Wer sie herausreißt und auf den Acker oder die Straße wirft, den soll der Blitz im Sch…

ich schweife ab.

Auf der einsturzgefährdeten Schiersteiner Brücke steht dieser Totempfahl. Es ist ein besonders heiliger. Er läßt sich nicht Fotografieren. Dafür glauben manche Leute er würde Unmenschen ablichten. Deshalb fahren sie dort besonders achtsam vorbei. Ja, sie machen sich zurecht. Kontrollieren die Optik noch mal schnell im Schminkspiegel und ziehen den Lidschatten nach. Während der Vorbeifahrt nehmen die Leute eine gläubige Haltung und schauen katholisch auf die heilige Säule auf dass sie nicht blitzen möge.
Diese Bezeugung führt zu einem Dauerstau weil keiner die teuflische Geschwindigkeit erreicht. Der hier schreibende illuminierte Vollpfostenbezeuger kann sagen: Da gehen 25 drüber und Gott sendet keine Blitze aus!

Wo wir bei Gott wären. Der heißt in dem Fall Roland Koch und war hessischer Ministerpräsident. Er hat neben dem Totem ein Schild aufstellen lassen: “Sie fahren oben – wir bauen unten. Deshalb langsam!” Unten wurde natürlich nicht gebaut. Sie bauen jetzt nebenan eine neue Brücke. Und weil die Kirche dafür ein Geld braucht hat der Großmeister vom Stuhl Dobrind ein Pickerl erdacht. Man sollte wohl damit die Totempfähle bekleben, die Ankündigungschilder ebenso.

Nudelsalat muss weg

Nudelsalat ist der ungebetene Gast jeder Party.
Nudelsalat ist der üble Geist jeder Grillerei.
Nudelsalat ist der blasse Füllstoff auf einem prekären Buffet.
Nudelsalat ist an einem heißen Tag auch noch Wasser kochen müssen.
Nudelsalat ist der Vampir, der die beste Würzung zu einem Einheitsumpf macht.
Nudelsalat ist der Fleck auf der Straße wo der Vorübergehende nur denkt: “War wohl nicht so.”

“Wir sind eingeladen. Meinst du wir sollten einen Nudelsalat machen?”
“Es gibt Fastfood. Das schmeckt wenigstens.”

Ich schweife ein

und nenne es mal Bohnensalat Cattolica.

Es wird benötigt:
1 Dose dicke Bohnen (vom Türken)
1 Dose Thunfisch im eigenen Saft. Notfalls geht auch Dosendelphin.
1 klitzekleine Zwiebel oder eine normale Schalotte.
1 Bund glatte Petersilie
1 Zitrone. Auch unbio.
Ölivenöl, das fruchtige.
Salz
Pfeffer, weiß

Machen:
Bohnendose öffnen, Inhalt abtropfen lassen und kurz durchwaschen.
Thunfisch öffnen und abtropfen lassen.
Petersilie waschen, Stiele entfernen und grob hacken.
Zwiebel atomisieren.
Alles in eine Schüssel.
Die erste Zitronenhälfte darüber ausdrücken.
Salzen, pfeffern.
Ölivenölen.
Durchmischen.
Eine Stunde ziehen lassen.
Zweite Zitronenhälfte darüber ausdrücken.
Nacholivinölen und pfeffern. Salz sollte reichen.

Fertig.
(Leider kein Photo wegen des Verzehrdranges.)

Die Rennbahn muss weg

Wir waren Sonntag erstmals beim Turf. Zuschauen.
Ja, ich muss es zugeben: Zugucktechnisch sind Galopprennen echt der Bringer. Entspannungstechnisch auch. Nervenkitzlerisch sowieso.
Jetzt mal der Reihe nach:
1. Eintritt.
Vorherhige: “Zwei Erwachsene” “Achtzehn Euro”
Wir: “Sind zwei Erwachsene ohne Kind auch eine Familie?” “Ja, fünfzehn Euro”
Nachkommende: “Zwei Erwachsense” “Achzehn Euro”
2. Umgebung unterfußig:
Grünes Gras für die Pferde, Kieswege und Betonpflaster für die Zuschauer.
3. Umgebung atzungstechnisch:
Es gibt recht gute Sachen zu Preisen, die sich unterhalb des Stadtniveaus bewegen.
Alkohol in Gläsern und auch schön Gemixtes.
4. Umgebung Feeling:
Keine Hundertschaften. Keine rotköpfigen Fans. Ganz entspannt geht der werte Besucher von Station zu Station und schaut so halbe Stunde mal vorbei wie die Pferdchen so ins Ziel hoppeln.
5. Volk:
Alles da. Vom abgerissenen Zocker bis zum echten Dandy mit seiner Dandine.
Hüte auch. Auch zu kaufen. Auch in schön. Auch gut bei Sonne. Es gab Sonne.
6. Pferde:
Sehen größtenteils aus wie Konstantin Wecker vor dem Kokainentzug.
7. Wetten:
Unbedingt wetten! Geht ab 50ct und die Adern schwellen beim Zieleinlauf
wie die von Konstantin Wecker vor dem Kokainentzug.
8. Gewinn. Haben 13,5 gewonnen. Nach Abzug der Unkosten sind noch diverse Rationalisierungsmaßnahmen zu treffen.
Die Leuchtturmfunktion wird der Bereich “Besser tippen” einnehmen. Auf Aperol Sprizz, Flammkuchen und Wein kann aus technischen Gründen nicht verzichtet werden.

9. Unser Pferd war Nummer 3. Nicht im Bild. Maresco, eine elfjährige Stute. Wir haben sie dann Erasco genannt.

10. Ich schweife ab.

Der schöne Markus, Tankwart zu Unterliederbach – ääh Markus Frank Wirtschafts- und Sportdezerent der Weltmetropole Frankfurt am Main hat im Januar beschlossen, daß die Rennbahn defizitär arbeitet und deshalb ein DFB-Bootcamp auf dieses Gelände soll. Dem grünen Baudezernenten Olaf Cunitz wurde ob solcher Zukunftsmacht glatt derart das Rückgrat gekrümmt dass die vielgeliebte Amtskette fürderhin auf dem Boden schleift.
Bei dem CDU-Dezernenten ist das noch logisch: Inklusion! Ja, sie lieben es wenn sich die Chefin ihre Spasmen auf der Tribüne abarbeitet.
Aber der Grüne? Da wird ein großer Park, der von anderen für umme gepflegt wird zugebaut. Rasen wird Kunstrasen. Öffentliche Fläche wird Abgezäunt und Hungerlöhner stellen die Security. Eingeknastet kann die Kaste dann dem “Volkssport” frönen. Ohne Public Viehing. Mit ohne richtigem Bier, mit ohne Alles. Aber mit Flagshipfanshop. Isch schwör!

Ach ja, der Staat nimmt mit der Wett- und Totalisatorensteuer knapp 1,5 Mrd. Euronen ein. Fußball kostet.

König Fußball muss weg.

Hach! Wenn der werte Leser denkt Waswegmuss würde sich eine gekünstelte Antifußball- und Fifa-ist-böse-Erregung aus den Finger zutzeln wird wohl enttäuscht.
Fußball ist mir grundsätzlich erst mal egal. So wie mir das Meiste er mal egal ist. Gewissermaßen eine art religiöser Egalheit besonders um die Erregungsauguren zu erregen.
Natürlich würde ich mich nicht für ein Public-Viehing in ein Paddock sperren lassen. Aber wenn in der Wirtschaft ein Spiel über den Flatscreen pixelt – why not?

Ich schweife ab.

Warum soll man über Könige schreiben wenn es Götter hat?
Ein aus dem Olymp der Kickerei gefallener Fußballgott lebt in Frankfurt. Er nennt sich auch Fußballgott; Besser: “Ich bin der Fußballgott!”
Fußballer war er wohl nie. Zwar für einen “Uffgestumpte” etwas zu groß, aber nur etwas. Auch nicht dick genug, aber schon gut beieinander. Sein runder, haarlos glänzender Kopf ruht halslos auf den Schultern. Meist trägt er einen Ledermantel, der für einen Mantel zu kurz und für eine Jacke zu lang ist.
Er bewegt sich strammen Schrittes durch die Stadt um zu einem Anlaufpunkt zu geraten. Dort läßt er sich nieder packt seine zwei bis drei nicht mehr ganz so neuen Handys auf den Tisch/Tresen und eröffnet gerne mit: “Das 6310 war das beste Handy, das jemals gebaut wurde!”.
Dann packt seine Wettscheine aus. Nicht so ein Oddsetkram. Nein, so richtige Wettscheine mit Drittligaspielen aus so bedeutenden Staaten wie Sinistrien, Bophutatswana oder Absurdistan. “Wenn ich alle 10 Spiele richtig habe kriege 10234,- für einen Einsatz von 16,23!” Acht Richtige schafft er immer. Manchmal scheint er auch alle richtig zu haben dann ist er mit einer waldbrandhaarigen Frau zu sehen. Immer der Gleichen. Auch sieht man ihn mal in Sachsenhausen kellnern. Gefallene Götter machen das so.
Ich liebe seine Sprüche.
Spanien: “Rasenschach, ich sage nur Rasenschach!”
Italien: “Fallen um wie die Fliegen wenn der Schiedsrichter nicht richtig guckt!”
England: “Die können wenigstens noch einen Ball kaputt treten!”
Brasilien: “Brasilien stirbt in Schönheit, ich sag’s euch!”
Dann gibt es noch den Statussymbolspruch. Einen der nur in Frankfurt Bestand hat: “Meine Gerichtsakten sind in Leder gebunden!”

Vielleicht kreuzen sie mal seine Wege und lassen sich dozieren es lohnt sich.